Krimi-Tipp: Deavers 1. Lincoln Rhyme Roman "Der Knochenjäger"

Der erste Lincoln Rhyme Roman von Jeffery Deaver "Der Knochensammler" ist eine atemlose Verfolgungsjagd durch New York. Jefferey Deaver zeigt sich hier zum ersten Mal als Garant für Hochspannung!

Lincoln Rhyme, der Ermittler, der 2000 in "Der Knochenjäger" erstmalig die Bühne internationaler Kriminalliteratur betrat, ist ein mehr als ungewöhnlicher Protagonist. Seit einem Arbeitsunfall sitzt der ehemalige Topermittler im Rollstuhl und kann außer dem Kopf nur noch den Ringfinger der linken Hand bewegen. Er hat eine komplizierte Form der Querschnittslähmung und ist nach zahlreichen Versuchen, durch medizinische Therapien zumindest teilweise geheilt zu werden, entmutigt. Lincoln Rhyme ist fest entschlossen, Selbstmord zu begehen. Buchstäblich im letzten Moment klopfen seine Kollegen an die Haustür und bitten Rhyme um Hilfe bei ihrem neuesten Fall. Widerwillig stimmt er schließlich zu. Als seine Assistentin wählt er die attraktive, rothaarige Amelia Sachs, die aus persönlichen Gründen eigentlich gerade zur Streife wechseln will. Sie ist nicht begeistert, dass ihr neuer Chef sie zur Spurensicherungsexpertin ausbilden möchte, doch schließlich lässt sie sich überreden. Ausgestattet mit einem Headset, dass sie mit Rhyme verbindet, soll sie von nun an zunächst allein zu den Tatorten gehen. Ihr Einverständnis schwindet schnell als sie den ersten sieht...

Der Knochensammler

Der Täter, den Deaver seinen Lesern in Sequenzen vorstellt, die er zwischen die Ermittlungsabschnitte setzt, hat ein besonderes psychisches Leiden. Er hat eine zweite Persönlichkeit, die mit der eines historischen Serienmörders aus dem 18. Jahrhundert überein stimmt. Der heutige Killer ist wie der Damalige nicht weiter an seinen menschlichen Opfern interessiert, sondern nur an dem, was sie im innersten zusammen hält: Ihren Knochen. Um an diese möglichst „sauber" heran zu kommen probierte der historische Mörder möglichst viele Tötungsarten aus, um herauszufinden wie das Skelett am besten erhalten blieb. Sein modernes alter Ego vollzieht jeden dieser Versuche nach. Darüber hinaus scheint er geradezu mit dem Ermittler Rhyme und seinem Team zu spielen, hinterlässt Hinweise und Rätsel für sie an den Tatorten. Nach und nach kommt Lincoln Rhyme der Verdacht, dass der Mörder sich ganz nah in seinem persönlichen Umfeld befindet.

Brillante Komposition, steiler Spannungsaufbau
Jeffery Deaver by Emanuela Danielewicz 

Es lässt sich gar nicht genau sagen wie Deaver es schafft, seinen Leser in so atemloser Spannung zu halten. Viele seiner Schreibtechniken ähneln denen seiner amerikanischen Thrillerkollegen. Der Einblick in die Pläne des Killers, hinter der die Idee des psychologischen Profiling steht, zum Beispiel oder die Kennzeichnung seiner Figuren mit anziehenden Eigenschaften wie Intelligenz und Schönheit. Trotzdem hebt sich Deaver von anderen Autoren ab. Dies geschieht zum einen durch die Brechung bestimmter Klischees. Seine Helden sind ein Krüppel (wie Rhyme sich selbst bezeichnet) und ein nervös an den Nägeln kauendes Ex-Modell. Kraft ihrer Geistesleistung kommen sie dem Mörder in diesem Fall zwar immer näher und schaffen es dadurch, Menschenleben zu retten, sie bringen sich und ihre Kollegen aber auch ständig selbst in Gefahr.

Ein anderer Aspekt, der Deavers „Der Knochenjäger" zu einem atemlosen Leseerlebnis macht, ist die Interpretation der Ermittlung als Jagd. Lincoln Rhyme ist seinem Gegner fast von Beginn an gefährlich dicht auf den Fersen. Doch dieser entwischt ihm immer wieder. Die Ahnung, dass der Täter Rhyme nahe steht, schleicht sich erst ungefähr zur Mitte des Romans hin in die Gedanken des Lesers, trägt von da an aber ungemein zur Spannungssteigerung bei.

Nichts für schwache Nerven

Obwohl in diesem Thriller nicht jedes Opfer des krankhaften Serienmörders sterben muss, sind die Verletzungen, die er ihnen zufügt und die Todesarten, die er für sie erdenkt, meist ausgesprochen grausam. Dabei geht es weniger um das Anrichten eines Blutbad als vielmehr um subtiles quälen und langsame Todesarten. Dabei macht der Täter auch vor Kindern und alten Menschen nicht Halt. Das ist manchmal schwer auszuhalten und nichts für schwache Nerven. Allen, die auch gerne Stig Larsson oder Jo Nesbö lesen, sei eine Wiederentdeckung von Jeffrey Deaver als Garant für Hochspannung dagegen wärmstens empfohlen.

Deaver, Jeffery: Der Knochenjäger; Goldmann 2000; 3442434599, 8,95 Euro

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Dieser Artikel von mir ist zuerst auf der Autorenplattform Suite101 erschienen. Der Originalartikel ist hier einsehbar. 

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