Krimi-Rezension: Pekka Hiltunens "schwarzes Rauschen" ist genau das, ein Rauschen, dass vorbeiplätschert, ohnedass viel Inhalt hängenbleibt

Eine grausame Mordserie, ein besessener Serienkiller, eine mysteriöse Detektivorganisation, die sich "das Studio" nennt - Pekka Hiltunens Roman "das schwarze Rauschen" hat alles, was ein guter Krimi braucht. Alles außer Spannung. Da hilft es auch nicht, dass die Autorin sich immer wieder selbst auf die Schulter klopft, indem sie betont, was für ein schaurig schöner Mordfall ihr doch eingefallen ist.





Wenn wir heutzutage unsere Hacker nicht hätten

...so wären wir definitiv um ein Mysterium ärmer. Spätestens seit der Erfindung von Lisbeth Salander müssen Hacker für alles herhalten, was mit Kriminalromanen zu tun hat. Sie stehen sowohl auf Seiten der Ermittler als auch als Täter sehr hoch im Kurs. Pekka Hiltunen lässt sich diesbezüglich auch nicht lumpen, denn ihr Täter scheint zumindest den Grundkurs HaLiasng bestanden zu haben und einer ihrer Ermittler ist sogar ein richtiger Profi. Aber beim Anfang angefangen. In 10 verschiedenen Youtube Accounts finden sich zehn Videos unterschiedlicher Länge, die zu unterschiedlichen Zeiten freigeschaltet werden (Grundkenntnisse im Hacken hat der Täter wohl also, auch wenn davon nicht wieder die Rede sein wird). Irgendwie schaffen diese Videos es, nicht sang- und klanglos von den Accountinhabern gelöscht zu werden, sondern eine unheimliche Stimmung in London zu verbreiten. Diese wird noch angeheitzt als der Täter Videos hochlädt, die den grausamsten Mord zeigen, den sich die Autorin vorstellen kann. Ein Mensch wird immer wieder getreten in einer Art stillem Rhytmus.

[Zwischenspiel]

Es tut mir leid, ich weiß, jetzt müsste ich eigentlich die Handlung weiter nacherzählen, aber ich muss mir hier einfach schon einmal Luft machen, denn von dem Zeitpunkt an, da die Veröffentlichung des ersten Mordvideos beschrieben wurde, widmet Hiltunen einen beträchtlichen Teil des weiteren Romans Ausrufen darüber, wie grausam dieser Mord ist. Das ist er. Ohne Frage. Aber wir befinden uns in London. In der Stadt Jack the Rippers. In einer Stadt, die der makabren Seite ihrer Geschichte ein ganzes Museum und zahlreiche Touren in diesem und anderen widmet. Es ist schön, dass Hiltunens Ermittler noch zur empfindsameren Sorte gehören, aber ich möchte als Leser einfach nicht von ihrem Mittgefühl geplagt werden. Ich möchte meinen eigenen, ganz persönlichen Widerwillen entwickeln können; gegen den Schurken, wohl gemerkt und nicht gegen die Autorin, die mir vorschreibt, wie ich ihren Übeltäter finden soll.

[Zwischenspiel Ende]

Zu diesem Zeitpunkt haben wir die Protagonistin Lia schon als eine sowohl ehrgeizige Journalistin als auch Freizeitdetektivin kennengelernt. Sie hat sich auf mysteriöse Weise einer mysteriösen Geheimorganisation ("das Studio" ... uuh, geheimnisvoll, oder?) angeschlossen, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, in die Leben anderer wohlwollend einzugreifen. Gerade erst haben sie einen Radiomoderator vor einer fiesen Jugendlichen gerettet, die ihm vorwarf, sich ihr unsittlich genähert zu haben, da stoßen sie auf die Videos. Nicht viel später wird dann auch die erste Leiche gefunden und somit steht fest, dass es sich um Mord handelt. Es beginnt eine Ermittlung, die von einem Hack zum nächsten springt. Mal werden Überwachungskameras ausgewertet à la Elementary, mal wird kurzerhand ein Programm geschrieben, dass die nächsten Tatorte berechnet. Natürlich stellt dieses sich als präziser heraus als das der Polizei. Was nicht von Ferne gehackt werden kann, wird durch simple Ausweisfälschung erledigt, die es ermöglicht, Personen in wichtige Firmen einzuschleusen, um einen Virus auf deren PC einzuschleusen.

Ein homophober Queenfan

Indem "das Studio" also schneller denkt, besser hackt und präziser profilt als die Polizei, hat die Ermittlerbande schnell ausklabüstert, dass es sich bei dem Täter um einen Mann handelt, der Schwule hasst und Freddy Mercury verehrt (finde den Fehler...). Denn - Tadaaa - mit einem weiteren kleinen Hack haben sie herausgefunden, dass die Mordvideos, die sich selbstverständlich im Verlauf des Romans vermehren, genauso lang sind, wie Songs von Queen. So endet die Jagd schließlich dort, wo Freddys Leben begann, auf Sansibar. Zwischendurch kommt natürlich noch ein Studio-Kollege ums Leben (Kollateralschaden - man kennt das), die folgende tiefe Trauer der Studio-Mitglieder wird innerhalb weniger Tage überwunden, die traumatische Kindheitsgeschichte, der Studio-Chefin erforscht und der Hund des Verstorbenen an Lias Vermieter vermittelt.

Ein äußerst mittelmäßiger Krimi

Viele Literaturschaffende sind sich einig, dass das Mittelmaß der wahre Feind der Literatur ist. Für Hiltunens "das schwarze Rauschen" trifft das definitiv zu. Ihre Ideen sind zwar nicht schlecht, aber sie sind auch nicht gut genug. Sie haben nicht die Originalität einer Lisbeth Salander oder eines ins moderne New York transponierte Sherlock Holmes. Es gelingt ihr nicht, alle Fäden schlüssig zusammenzuführen und so bleiben am Ende zu viele Ungereimtheiten offen. Obwohl sie ständig betont, wie grausam der Mord, wie dramatisch die Kindheit ihrer Helden und wie mitgenommen ihre Protagonistin ist, springt nichts von alledem auf den Leser über. Am Ende bleibt ein Meer von langweilig dahinplätschernder Unterhaltungsliteratur, die nicht einmal wirklich unterhält. Ein ganz und gar nichts sagendes schwarzes Rauschen eben.

Hiltunen, Pekka: Schwarzes Rauschen. Berlin Verlag 2014. ISBN: 978-3-8333-0957-1. 9.99€

Ich danke dem Berlin-Verlag für die Bereitstellung des Leseexemplars.

Posted in , , , , . Bookmark the permalink. RSS feed for this post.

Leave a Reply

Search

Swedish Greys - a WordPress theme from Nordic Themepark. Converted by LiteThemes.com.